Der falsch vermessene Mensch ein Buch des Paläontologen und Harvard-Professors Stephen Jay Gould (1941-2002) ist eine Kritik am allgemeinen Intelligenzbegriff und seiner Anwendung auf verschiedene Ethnien, Geschlechter und Bevölkerungsgruppen. Goulds These richtet sich gegen die Argumentationen des biologischen Determinismus, dass sich die geteilten Verhaltensnormen und die sozialen und Ökonomischen Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen aus vererbten und angeborenen Merkmalen ergeben und dass die gesellschaftlichen Verhältnisse eine akkurate Wiedergabe der Biologie sind. Weiters kritisiert er den Mythos, dass die Wissenschaft selbst ein objektives Unterfangen sei und nur dann richtig betrieben wird, wenn Wissenschaftler die Zwänge ihrer Kultur abstreifen könnten und die Welt so sähen, wie sie wirklich ist. In Bezug auf den Intelligenzbegriff zeigt sich der biologische Determinismus in der Annahme einer einheitlichen und angeborenen kognitiven Kapazität. Gould beschreibt diese Annahme in einer wissenschaftshistorischen Untersuchung anhand der Kraniometrie (Schädelmessung im 19. Jhdt.) und der Geschichte des Intelligenzquotienten. Intelligenz umfasst nach Gould eine Zusammenstellung kognitiver Fähigkeiten die sich aus einer komplexen Interaktion von sozialen und biologischen Faktoren ergeben, und objektiv nicht gemessen werden kann. Alle Intelligenztests verfälschten das Resultat durch Fehler, welche aus der Zugehörigkeit verschiedener sozialer Schichten, Klassen, ethnischer Gruppen oder Nationen herrühren.